Dritter Jahrestag „zeitgedanken.blog“

Am 18. Juni 2017 ging der erste Artikel auf zeitgedanken.blog online. Eine erste Auswertung erfolgte im Juli 2018. Nach insgesamt drei Jahren ist es erneut angesagt, Resümee zu ziehen und in die Zukunft zu schauen. Thesen zum dritten Geburtstag der Homepage von Kai und Lutz Kleinwächter.

1. Zielsetzungen erfüllt!

Das Gesamtkonzept hat sich bewährt. Mit der Homepage haben wir unsere 2016/17 konzipierten Hauptzielsetzungen erreicht:

(1) Lehre.
Die HP-Inhalte werden von uns erfolgreich in Vorlesungen und Seminaren, im Präsenz- und Online-Modus an Hoch-/Fachschulen eingesetzt.

(2) Unabhängigkeit.
Bei der Kommunikation im Internet sowie der „Spiegelung“ unserer Beiträge und Positionen in entsprechenden IT-Suchmaschinen sind wir selbstständig.

(3) Umfang.
Sowohl eine Digitalisierung aller (!) unserer Print-Artikel jüngeren Datums als auch die Vernetzung neuer Beiträge ist realisiert. Die Übernahme „früherer“ Publikationen läuft als Prozess.

(4) Qualität.
zeitgedanken.blog hat ein Niveau erreicht, das sowohl in der Lehre als auch bei beruflichen sowie gesellschaftlichen Kontakten und Auftritten, die eigene Fachkompetenz aufwertet.

2. Software

„Wordpress“

Der Anbieter hat in den letzten Jahren seine Software deutlich erweitert und erheblich verbessert. Mit WordPress 5.0 (Codename: Bebo Valdés) kam Ende 2018 die Umstellung auf „Inhaltsblöcke“. Statt der Darstellung eines geschlossenen langen Textes zerlegt der Editor diesen nun in separate, einzeln formatierbare Absätze bzw. Blöcke. Farbige Darstellungen von Schrift und Hintergrund sowie die Integration zusätzlicher Inhalte wie Bilder oder Videos sind jetzt deutlich leichter. Auch lassen sich Gestaltungselemente (Anwendungen, Text-Bild-Kombinationen etc.) weitgehend automatisiert einfügen.

Positiv: Seit einem der letzten Updates in 2019 ist nun endlich die direkte Formatierung zum Blocksatz möglich. Aber es erfolgt noch keine automatische Umstellung älterer Artikel. Die händische Übertragung ist zeitintensiv.   

„flickr“

Durch die neuen WordPress-Updates lassen sich Bilder von flickr besser integrieren.  Bei Veränderungen der Flickr-Dateien passt WordPress alle Verknüpfungen an. Dadurch entfällt die händische Aktualisierung jeder einzelnen Datei. Die wiederholte Verwendung statistischer Bildelemente gewinnt deutlich an Attraktivität.

Die primäre Speicherung von Bild-Dateien auf flickr entlastet die Mediathek der Homepage. Vorteilhaft – da flickr die Bilder besser sortiert. Die kostenlose Obergrenze bei flickr liegt bei ausreichenden 1.000 Dateien. Derzeit haben wir ca. 130 Bilder hochgeladen. Wichtig dabei – aktualisierte Bilder zählen weiterhin nur als eine Datei.

Bei Titelbildern funktioniert die Einbindung von flickr nicht. Hier müssen die Grafiken nach wie vor einzeln getauscht werden. Zu aktualisierende Statistiken sollten entsprechend nicht als Titelbild Verwendung finden.

Ein gewisser Nachteil ist, dass beim Klick auf eingebundenen Bilder, eine Weiterleitung im selben Tab erfolgt. Die Öffnung eines neuen Tabs, damit der Besucher auf der Homepage bleibt, ist laut WordPress-Hilfecenter nicht möglich. Das ist angesichts der Vorteile ein tolerables Problem. Wir hoffen auf weitere Updates 😉

„Citavi“

Durch ein Zweitstudium an der Universität Potsdam lernte ich Citavi (neu) kennen. Das Literaturprogramm erstellt standardisierte Zitations- und Quellenapparate. Dadurch ergeben sich Vorteile.

Einerseits ähneln die Blog-Texte mehr klassischen wissenschaftlichen Texten. Sie strahlen eine höhere Seriosität aus. Durch die Demonstration des wissenschaftlichen Anspruchs eignen sich die Beiträge auch besser für den Einsatz in der Lehre.

Andererseits basiert Citavi auf der „amerikanischen Zitation“. Dadurch reduzieren sich die Fußnoten und der damit verbundene Aufwand deutlich. Sie finden nur noch bei wichtigen Zusatzinformationen Verwendung. Insbesondere die Übernahme von (WeltTrends-)Texten ist deutlich einfacher.

Ebenfalls wird die mehrfache Verwendung der gleichen Quelle erleichtert. Gespeicherte Zitate fügt Citavi direkt aus der Datenbank in Word-Texte ein. Allerdings stellt sich das Problem, wie viele Quellen dauerhaft in Citavi archiviert werden sollten, offen. Mit der Zunahme steigt auch die Unübersichtlichkeit.

Es muss sich noch zeigen, ob durch die Quellen-Umstellung auf Citavi eine leichtere Überführbarkeit in andere Formate bzw. Homepages möglich wird.

„Speechnotes“

Seit einem Jahr haben wir begonnen, das „Sprache-zu-Text-Programm“ zu verwenden. Es ist eine neue Art des Schreibens sowie Sprechens und bisher noch keine Routine. Aber in der Startphase für einen Artikel ermöglicht es ein zügiges Arbeiten. Durch das Diktat in den Computer lassen sich schnell Rohtexte erstellen, mit denen weiter zu arbeiten ist.

„Google-Analytics“

Im Zuge der neuen Updates erlaubt WordPress die kostenlose Einbindung von google-analytics. Ein Account wurde eröffnet. Eine nähere Beschäftigung mit den Daten fand noch nicht statt. Erste Vergleiche zeigen signifikante Abweichungen zur wordpress-Statistik.

Schlussfolgerungen

(1) Die Umstellung älterer Artikel auf die neuen WordPress-Formate, die Citavi-Zitation und die flickr-Einbindungen sollten im Zuge inhaltlicher Aktualisierungen erfolgen. Alles andere ist aufwendig, bringt aber kaum einen Mehrwert. Die Uneinheitlichkeit des Blogs – altes vs. neues Design – wird erstmal hingenommen.

(2) Die neuen Möglichkeiten von WordPress sind intensiver zu erproben/nutzen. Sie ermöglichen ein qualifizierteres Design. Allerdings müssen Arbeitsaufwand und Nutzen abgewogen werden. Ebenfalls gilt es zu berücksichtigen, dass sich entsprechend gestaltete Texte von klassischen Printpublikationen entfernen und schwerer auf andere Homepages übertragbar sind.

(3) Die Verwendung von Unterstützungsprogrammen und Automatisierungen spart Zeit. Wir suchen weiter nach sinnvollen Ergänzungen. …

3. Sequenzielles Schreiben

Seit Ende 2019 aktualisierten wir thematisch passende Beiträge. Insgesamt überwiegen die positiven Erfahrungen. Die Artikel gewinnen inhaltliche Tiefe, bleiben weiterhin aktuell und ersparen Zeit. Auch können sie zunehmend mit Quellen/Verlinkungen abgesichert werden.

Gleichzeitig gelingt der partielle Ausgleich einer strukturellen Schwäche. Wir haben nicht die Kraft auf aktuelle Entwicklungen zeitnah zu reagieren. Das sequenzielle Schreiben ermöglicht, bei sich wiederholenden Ereignissen (z.B. jährliche Veröffentlichungen von SIPRI, Jahresgutachten, Statistiken), aktualisierte Grundsatzartikel nach vorne zu stellen.

Zunehmend entstehen „Spin-Offs“. Aus wichtigen Einzelaspekten der Artikel entstehen eigenständige Beiträge. Die Ursprungsartikel bleiben durch die Ausgliederung inhaltlich fokussiert. Gleichzeitig schreiben sich die neuen Beiträge mit weniger Aufwand, da bereits vorhandene Texte ausgebaut und Statistiken ergänzt werden.

Überarbeitete Einträge lassen sich auf die aktuelle Position im Blog setzen. Somit bleibt die Homepage dynamisch und es entsteht ein Multiplikator-Effekt. Da WordPress mit Perma-Links arbeitet, sind auch bei einer Veränderung des Erscheinungsdatums die Artikel unter dem alten Link erreichbar.

Schlussfolgerungen

(1) Die Methode des sequenziellen Schreibens ist erfolgreich und wird intensiviert. Die weitere Bearbeitung von Beiträgen bedeutet jedoch eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema und letztlich Spezialisierung darauf. Es ist genau zu überlegen, welche Themen bzw. Artikel sich zur Überarbeitung lohnen.

(2) Nach der Veränderungen der Veröffentlichung zeigt WordPress die volle Nutzerstatistik ab dem neuen Datum an. Alle Daten vor dem neuen Termin sind zwar noch im System, werden aber nur aggregiert ausgewiesen. Detaillierte Analysen sind nicht mehr möglich. Wenn der Artikel auf das alte Datum zurückgestellt wird, kommt die Detail-Statistik wieder. Hier muss über Lösungen nachgedacht werden. Auch ist uns noch nicht bekannt wie Google-Analytics auf Veränderungen des Datums reagiert.

4. Verlinkungen

Es fällt auf, dass Links mit der Zeit nicht mehr funktionieren. Insbesondere private Blogs verschwinden oft völlig. Kommerzielle Seiten hingegen werden neugestaltet. Die Inhalte existieren, sind aber nicht mehr unter dem alten Link erreichbar. Ebenfalls verhindern zunehmend Bezahlschranken einen digitalen Zugriff.

Schlussfolgerungen

(1) Wichtige Links und eingebundene Bilder bzw. Videos müssen regelmäßig überprüft und bei Verständnis-Notwendigkeit neu gesetzt werden. Wie das, ohne aufwendige händische Kontrollen ablaufen soll, ist bisher nicht klar.

(2) Ein Teil der Links ist nicht rekonstruierbar. Entsprechend sind schon bei Erstellung des Textes digitale Kopie verlinkter Inhalten anzufertigen. Dann bleibt der Inhalt zumindest für einen selbst zugänglich. „Verlorene“ Links können durch eine normale Quellenangabe ersetzt werden.

5. Vernetzung

Eine intensive Vernetzung war bislang nicht Ziel der Schaffung unserer Homepage. Wir betreiben sie bislang zu zweit. Mit Christine Heybl gibt es eine Kooperation.

Eine (einseitige) Vernetzung über Publikationen existiert insbesondere mit: WeltTrends, Telepolis, neues deutschland, Sputniknews, Das Blaettchen, …

Die Zahl der Abonnent*innen nimmt langsam zu und liegt derzeit bei 21. Von diesen stammen vier aus unserem Freundeskreis. Einige weitere sind Studierende aus dem Unterricht. Ihre Motive für das Abo von zeitgedanken.blog haben wir nicht hinterfragt. Auch erfolgte keine Kommunikation in Form von Likes, Kommentaren oder Anschriften.

Prägnante Einzelbeispiele zeigen, dass eine Aktivierung von Abonnementen die Blog-Reichweite deutlich steigern kann. So gab es letztes Jahr einen kleinen „Disput“ mit einer Abonnentin bzgl. einer Position zu Rüstungsfragen. Als sich ihre Argumente in der dritten Mail wiederholten, wurde ihr nicht mehr geantwortet. Trotzdem ist zu konstatieren, dass ihr posten der Diskussion auf Facebook die Klickrate deutlich anhob.

Des Öfteren kommt der Hinweis, dass dieser oder jener Prof./Nobelpreisträger usw., die Problematik schon bearbeitet hätte. Das Argument geht aber an den spezifischen Zielstellungen unserer Homepage vorbei (eigene Lehrmaterialien, Unabhängigkeit).

Bisher existiert kein persönlicher Zugang zur Blogger-Community. Dahinter steht wohl einerseits, dass wir selbst nur wenige Blogs lesen bzw. auf diesen kaum aktiv sind. Als lohnend haben sich die (leider eingestellten) Berliner Veranstaltungen der wordpress-community vom Frühjahr 2019 erwiesen. Ziel wäre es, die eher an Beginner gerichteten Veranstaltungen in Potsdam zu besuchen. Das könnte dauerhafte Kontakte ergeben.

6. Zugriff

Die monatlichen Zugriffszahlen haben sich langsam gesteigert (durchschnittlich 2017 200; 2018 400; 2019/20 700). Die Schwankungsbreite von 400 bis 1.200 ist erheblich.

Die hohe Resonanz im Sommer 2018 lässt sich auf die Diskussion um den „Schimäre-Artikel“ sowie 2019 im Frühjahr auf den erwähnten „Disput“ und im Winter auf einen Telepolis-Artikel zurückführen. Eine ausreichende Kontinuität konnte noch nicht erreicht werden.  Die Erstellung von Groß-Artikeln kostet viel Kraft. Nach deren Fertigstellung folgten z.T. mehrere Wochen keine neuen Beiträge.

Bei den Klickzahlen ist eine starke Konzentration auf die zehn Hauptbeiträge festzustellen. Auf die Top10 entfallen rund 62 Prozent aller Klicks. Innerhalb dieser Gruppe besteht eine gewaltige Spannweite von 2.528 bis 171 Aufrufen. Absolut dominant ist „Salvador Dali – Drogen und Wahn“ mit 21 Prozent aller Klicks.

Hier zeigen sich vor allem Langzeitwirkungen. Alle Artikel in den Top10 sind älter als zwei Jahre, die Hälfte geht sogar auf das Gründungsjahr 2017 zurück. Es wäre interessant die Entwicklung jüngerer Artikel zu sehen. Dies ist von den Daten her analysierbar – allerdings mit (bisher) gescheutem Aufwand verbunden. Auch eine inhaltliche Gesamtanalyse steht noch aus.

Schlussfolgerungen

(1) Wesentlich ist eine stabile Kontinuität von Veröffentlichungen. Im Durchschnitt der letzten Jahre stellten wir alle zwei Wochen einen Artikel online. Allerdings gab es Phasen hoher Aktivität, mit wöchentlichen Veröffentlichungen, im Wechsel mit Monaten ohne Beitrag.

(2) Ziel unseres Blogs kann z.Zt. nicht die Ausdehnung der Reichweite sein. Dazu fehlt die Zeit, angesichts der selbstständigen Dozententätigkeit und des Zusatzstudiums. Realistisch ist eine Stabilisierung der Klickraten.

(3) Die asymmetrische Verteilung der Klickraten bei den Artikeln lässt sich schwerlich beeinflussen. Ungleichgewichte in Blogs sind normal (z.B.: Ökonomenstimme.org: Meistgelesener Artikel ca. 51.000 Klicks; Ein normaler Artikel älteren Datums liegt meist zwischen 2.000 und 4.000). Extremzahlen sollten nicht überbewertet werden.

7. Social-Media

2017 wurden Kanäle auf Flickr, Twitter, Facebook und Instagram eingerichtet. Bis auf Flickr erfolgte keine Nutzung dieser Plattformen. Ursachen sind sowohl der hohe Zeitaufwand und mangelnde Motivation.

Diese Plattformen funktionieren als gegenseitige Kommunikation. Je mehr man selbst liest, damit arbeitet, sich vernetzt etc. umso mehr werden die eigenen Beiträge zur Kenntnis genommen. Aber wir arbeiten bis auf Flickr nicht mit den Plattformen. Eine Umstellung unseres Arbeitsstils ist nicht zu erwarten.

Schlussfolgerungen

(1) Eine Intensivierung der Bedienung von Social-Media-Kanälen wird in absehbarer Zeit nicht stattfinden. Der Aufwand steht kaum im Verhältnis zum Nutzen. Unsere Kraft wird eher in andere Projekte (Wikipedia, Youtube, inhaltliche Beiträge, …) fließen.

(2) Eine gewisse Möglichkeit größerer Aktivität besteht bei Instagram. Diese Plattform nutzen wir zumindest passiv. Aber dieses Medium ist erstaunlich apolitisch.

8. Entwicklungsschwerpunkte

Die Entwicklung des Blogs erfolgt in vier inhaltlichen und gestalterischen Richtungen:

(1) Im Rahmen des Lehramtsstudiums Geographie und Politik entstehen eine Vielzahl neuer Texte. Das verstärkte Einpflegen in die Homepage wird ab Herbst 2020 zu einer inhaltlichen Erweiterung führen. Zu den Themen gehören sowohl klassisch geographische Themen wie Aufbau der Atmosphäre sowie Grundlagen der Biogeographie, als auch die (wieder) verstärkte Hinwendung zur Humangeographie, Umwelt und Energie. Ob damit eine partielle Umgestaltung der Homepage verbunden ist, wird sich zeigen.

(2) Neben den bisherigen Meta-Statistiken sollen zukünftig auch Karten verwendet werden. Diese werden vorerst aus freien Quellen herangezogen. Für die Selbsterstellung sind entsprechende Programme anzuschaffen (welche ist unklar).

(3) Die bisherigen Versuche sich in Wikipedia einzuklinken verliefen gemischt erfolgreich. Änderungen sind weitgehend akzeptiert worden. Gleichzeitig etablieren sich Downloads durch die Verlinkung auf eigene pdf-Texte bei Dokumenten (z.B.: Weißbücher, BuWe-Richtlinien, Verträge). Die Gestaltung einer Autorenseite ist jedoch gesperrt worden. Hier ist über persönliche Kontakte eine Lösung zu finden.

(4) Als größeres Projekt steht Youtube an. Ein Kanal ist bereits eingerichtet. Ziel ist die Erschließung der Plattform. Gleichzeitig wäre es bei Artikeln, angereichert mit statistischem Material, ein überschaubarer Aufwand, kürzere Youtube-Beiträge selbst zu erstellen. Diese wären eine sinnvolle Ergänzung zum Unterricht, da sich insbesondere jüngere Studierende beim Studium bevorzugt auf Lehrvideos stützen. Analog ist mit Interviews zu verfahren, die so jenseits der Verschriftlichung einen Verbreitungskanal finden.

Zur Sicherstellung einer kontinuierlichen inhaltlichen und formalen Weiterentwicklung der Homepage „zeitgedanken.blog“ erfolgt künftig eine jährliche Analyse.

Kunstwerk des Eintrages

Anton von Werner (1843 bis 1915) – Der 70. Geburtstag des Kommerzienrats Valentin Manheimer
Lizenz: http://www.zeno.org – Contumax GmbH & Co.KG

Valentin Manheimer (1815 – 1889) revolutionierte die Modeindustrie indem er das das Textilgeschäft nicht aus Sicht der Produktion, sondern des Vertriebes dachte. Manheimer produzierte als einer der ersten Konfektionsware (insb. Damenmäntel) in industrialisierten Maßstab. Kern seiner Marke war nicht modische Eleganz sondern technischer Fortschritt, langlebige Qualität und ein gutes Preis-Leistungs-Niveau.

Dafür verwarf er den bis dahin dominierenden Ansatz jedes Kleidungsstück maßgeschneidert anzufertigen. Stattdessen produzierte er Mäntel in standardisierten Größen, Materialien und Schnitten. So wurde Manheimer einer der Vorreiter bei den Konfektionsgrößen. Die vorgefertigte Ware wurde anschließend an ein breites Publikum verkauft. Um die Produktion noch effizienter zu gestalten, verzichtete Manheimer oft auf die unterschiedliche Ausgestaltung von Männer- und Frauenmänteln. Entsprechend konnte er seine Unisex-Stücke trozt guter Qualität preiswerter anbieten, als die meisten Konkurrenten.

Sein Konzern kontrollierte dabei die gesamte Produktion – vom Ankauf der Rohware, der Verarbeitung bis hin zum Verkauf im eigenen berliner Kaufhaus bzw. dem Versand ins Ausland. Das Klientel war nicht die begrenzte Schicht der Reichen sondern der Massenmarkt des Bürgertums und der bessergestellten Arbeiter.

Der Manheimer-Konzern gehörte zu einem der bekanntesten und mit mehr als 8.000 Beschäftigten auch zu den größten seiner Zeit. Auf ihn begründete sich mit der Ruf Berlins als Modehauptstadt (für die normale Bevölkerung) im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Zumal spätestens mit der Reichsgründung der Konzern immer stärker für den internationalen Markt – einschließlich der USA – produzierte.

Mit dem Reichtum kam auch der gesellschaftliche Aufstieg. Valentin Manheimer wurde zum geheimer Kommerzienrat ernannt – eine besondere Ehrung im Kaiserreich, die einen offiziellen Zugang zum Fürstenhof ermöglichte. Mannheimer steht damit auch für die jüdische Emanzipation und den Aufstiegsmöglichkeiten, die Juden im Kaiserreich besaßen. Zumindest die ökonomisch erfolgreichen konnte bis in höchste gesellschaftliche Kreise aufsteigen.

Dieser soziale Aufsteig wurde von der Familie Manheimer gezielt vorangetrieben. So baute die Familie u.a. große Stiftungen auf, mit denen sie sich auch seinen sozialen Ruf und politische Netzwerke erwarb.

Der Wille zur Integration in die deutsche Gesellschaft zeigte sich auch an seinem Geburtstagsgemälde zum 70. Seine Frau – im Bild links-hinten, stehend, im schwarzen Kleid – bestellte dafür keinen geringeren als Anton von Werner. Dieser war einer bis in die höchsten konservativen Kreise des Kaiserreiches geschätzter Vertreter historischer Malereien. Von Werner ist uns heute vor allem durch seine Gemälde zur „Proklamation des deutschen Kaiserreiches im Spiegelsaal von Versailles“ bekannt.

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Bei Interesse können die statistischen Daten für die Grafiken per Mail zugesandt werden.

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