Happy Birthday – zeitgedanken.blog

Ein Zwischenresümee von Kai Kleinwächter

Am 18.Juni 2017 ging der erste Artikel auf zeitgedanken.blog online. Nach einem Jahr ist es Zeit zurück und in die Zukunft zu schauen.
Sechs Thesen zum Geburtstag

1. Anbieter WordPress

Es war richtig keinen Server zu mieten und WordPress nicht selbst zu betreiben. Bis auf die Begrenzung von Erweiterungen gab es bisher keine (nennenswerten) Einschränkungen. Da WordPress.com die Aktualisierungen von Programmen und Sicherheitssoftware vornimmt, ist der Wartungsaufwand für die Homepage minimal,

Als sehr praktisch erwies sich der Hilfe-Service. Auf Anfragen kommen innerhalb weniger Stunden hilfreiche Antworten. WordPress bietet seine Hilfe ausschließlich auf Englisch an. Das macht es anstrengend, kompliziertere technische Probleme korrekt zu beschreiben.

Die Kostenseite ist überschaubar. Das (erweiterte) Standardangebot inklusive Service von WordPress.com ist nicht teurer als das hosten einer Website. Ohne die Installation kommerziellen Programme entstehen auch keine weiteren Kosten.

2. Design der Homepage

In den ersten drei Monaten musste relativ viel Kraft für die Homepage aufgewendet werden. Technischen Einstellungen, Konzept für den Aufbau der Seite, Erstellung sowie Implementierung der Bilder, Erarbeitung von Titeln und Beschreibungen usw., insgesamt aufwendiger als gedacht. Aber diese Anstrengungen haben sich gelohnt. Die Seite kann nun mit überschaubarem Aufwand befüllt werden und funktioniert auch bei inhaltlichen Erweiterungen.

Das (kostenlose) Theme Goran überzeugt. Es zeigten sich bisher kaum „Macken“ und es hat mehr Funktionen als zeitgedanken.blog (bisher) braucht. Gleichzeitig strahlen klarer Aufbau und minimalistische Farbwahl eine – den politischen Themen angebrachte – Seriosität aus.

3. Artikel

In den vergangen zwölf Monaten wurden 49 Artikel online gestellt. Im Durchschnitt vier pro Monat. Wie geplant waren „alte“ Artikel die Mehrheit, gepostet zur besseren Archivierung und Aktualisierung. Der Anteil neuer Artikel steigt.

Auf zeitgedanken.blog eingestellte Artikel

Das online-stellen nimmt Zeit in Anspruch. Durchschnittlich braucht es pro Artikel zwei bis drei Stunden. Vor allem die „Feinarbeiten“ (Bearbeitung der Grafiken, Fußnoten, Formatierung Text, Versehen Links und Grafiken mit Titeln…) erweisen sich als aufwendig. Bei hoher beruflicher Belastung ist es mühsam die Kontinuität sicherzustellen.

Als nicht möglich hat sich das zeitnahe Schreiben zu aktuellen Ereignissen erwiesen. Für das pünktliche abliefern müssten die Artikel bereits vorher fertig sein. Aber die Auswertung der dafür benötigten Quellen kostet Zeit und ist oft erst nach dem Ereignis möglich.

Schlussfolgerungen
(1) Standards. Künftig ist verstärkt mit standardisierten Skripten zu arbeiten. Allerdings setzen diese eine intensivere Beschäftigung voraus. Hier gilt es zwischen Aufwand und Nutzen abzuwägen. Ziel ist, die Zeit für technische Fragen zu minimieren und damit mehr für inhaltliche Aspekte zu haben.
Beispiele:
– Automatische Formatierung in Blocksatz (oder einfügen in Formatanzeige in wordpress)
– Automatisches Einfügen des Creative Commons Hinweis
– Automatisches Formatieren von Grafiken und Links (insb. öffnen im neuen Fenster)

(2) Langfristigke Themen. Schwerpunkt sollten langfristige Analysen sowie Aktualisierungen vorhandener Artikel sein. Leider ist es bisher nicht möglich, bereits veröffentlichte Blog-Artikel wieder auf die aktuelle Position zu setzen, ohne den Link zu ändern. Entsprechend nehmen Leser die Aktualisierung nicht wahr.

(3) Veranstaltungen. Als effizient erweist sich das Schreiben über Konferenzen bzw. Veranstaltungen. Mit überschaubaren Zeitaufwand entstehen aktuelle sowie aussagekräftige Beiträge. Gleichzeitig können prägnante Zitate sowie neue Ideen pointiert verwendet werden.

Wichtig: Es geht um die thesenartige Zusammenfassung der Hauptinhalte und (!) deren Bewertung, nicht um eine detaillierte Wiedergabe des Verlaufs.

4. Inhalte

Schreiben von Online-Texten funktioniert anders als für Print. Einerseits erfordern die neuen Möglichkeiten – insbesondere Erstellung und Einbindung von Grafiken, Videos und Links – schon bei der Erarbeitung der Artikel ein anderes Nachdenken über die Inhalte. Die nachträgliche Implementierung solcher Elemente gestaltet sich aufwendig und ist nicht immer passgerecht.

Andererseits muss, sollen die Texte nicht wie eine Bleiwüste wirken, mit kurzen Sätzen bzw. Absätzen, Aufzählungen, Zwischenüberschriften etc. gearbeitet werden. Dieser neue Stil verändert das Denken. Kürzere Sinneinheiten sind prägnanter, aber erschweren die Darstellung komplexer Gedankengänge. Hier einen Kompromiss zu finden, bedeutet die Entwicklung eines prägnanten (modernen) Schreibstils.

Schlussfolgerungen
(1) Sammlungen und Pfade. Insbesondere beim „Kunstwerk des Eintrages“ erwies sich ein nachträgliches Suchen von Gemälden und Schreiben kurzer Bemerkungen als zu langwierig. Sammlungen von Künstlern und Ideen könnten hier gute Dienste leisten.

(2) Primat von Online. Artikel sollten – auch wenn für eine Printpublikation erstellt – online „gedacht“ werden. Die gedruckte Publikation steht dann nicht mehr im Zentrum, sondern schrumpft zur Zweitverwertung. Die Druckfassung wird nicht für online aufgewertet, sondern die digitale Fassung für Print abgespeckt.
Ziele:
– Stringentere Durchsetzung Stilelemente (Gestaltung Zitate, Grafiken mit Kurzthese drunter…)
– Mehr mit Formatierungen wie Aufzählungen, Anstrichen etc. arbeiten
Positive Beispiele: „Zukunftsstrategie kontra Merkel-Raute“; „Nachdenken über Europa“
– Ein Absatz maximal 8 Zeilen (in word)
– Nach drei Absätzen eine Zwischenüberschrift
– Artikel eher auf 800 Worte begrenzen

(3) Sequenzielles Schreiben. Nicht den einen Artikel schreiben, der alles abdeckt, sondern Thesen, die später ausgebaut bzw. aktualisiert werden. Aus den Aktualisierungen entstehen wieder neue Artikel. Zusammenfassungen zu größeren Werken können später erfolgen. Hier steht wieder das Problem der für den Leser sichtbaren Aktualisierung.

(4) Zweitverwertung. Die mehrfache Nutzung von Textelementen sowie insbesondere der Grafiken, läuft gut an. Dieser Bereich kann ausgebaut werden.

5. Zugriff

Innerhalb eines Jahres haben sich die Zugriffzahlen vervierfacht. Pro Tag rufen inzwischen ca. 13 Menschen die Seite auf. Die Statistik überzeichnet die Entwicklung, da eigene Zugriffe mitgezählt werden. Diese erfolgen inzwischen aber nicht mehr so oft wie in den ersten Monaten. Es steht noch aus, wie sich die Zugriffszahlen entwickeln würden, ohne Werbung im Unterricht.

Entwicklung der Zugriffszahlen Homepage

Die Artikel stoßen auf sehr unterschiedliches Interesse. Während Salvador-Dalí über 660 Aufrufe erreicht, schafft es die Hälfte aller Einträge nicht über 15. Insgesamt haben Beiträge hohe Klickzahlen, die im Unterricht Verwendung finden (Arbeitsmarkt; Vollkommener Markt) sowie eine hohe Aktualität aufweisen (Trump, Bedrohungsperzeption, Deutsche Militärpolitik). Faktoren des Erfolges von anderen Artikeln sind nicht bestimmbar.

10 Beliebteste Artikel aufzeitgedanken.blog

Schlussfolgerungen
(1) Marketing. Die verstärkte „Bewerbung“ von Beiträgen, zum Beispiel im Untericht, hat eine positive Wirkung auf ihre Verbreitung.
Ziele:
– Passende Artikel als Quellen in die Skripte einfügen.
– Im Unterricht auf die entsprechenden Quellen hinweisen. (Bsp.: Sprung Trump-Artikel)
– Zu sich wiederholenden Themen im Unterricht Artikel verfassen. Doppeleffekt: Stärkung Relevanz der Homepage und Qualifikation des Unterrichts.

(2) Kultur. „Ewige“ Kultur-Themen – Dalí und Bosch – ziehen kontinuierlich Leser. Dalí generiert ca. 55 im Monat, Bosch ca. 8 bzw. 2. Beide haben stark schwankende Zugriffszahlen. Eine Korrelation zu eigenen Aktivitäten ist nicht feststellbar. Salvador Dalí wird ab und zu mal im Unterricht erwähnt.

Möglicherweise stehen hinter diesem Erfolg drei Phänomene:
– An kultur-historischen Personen gibt es ein konstantes Interesse. Entsprechend werden die Artikel immer wieder gesucht.
– Viele alte Beiträge zu diesem Themenkreis verschwinden mit der Zeit. (Paywalls, Einstellung Blogs, Löschungen…) Übrig bleiben vor allem kommerzielle Beiträge, die Bilder, Bücher etc. verkaufen sollen.
– Nur wenige Personen schreiben über solche Themen – die meisten davon primär kommerziell und/oder im klassischen Print. Entsprechend sind deren Artikel kaum online auffindbar.

Der Bereich sollte selektiv ausgebaut werden. Eine Idee wäre über berühmter Personen (Künstler, Politiker, Philosophen…) bzw. deren Werke Artikel zu schreiben. Anbieten würde sich – wie bei Dalí und Bosch – Beiträge nach Besuch entsprechender Ausstellungen. Alternative Rezensionen von Klassikern nach dem Lesen einschlägiger Werke. (Bsp.: Friedman, Adam Smith, Collier, Precht)

Gegenargument: Sloterdijk und Ferguson laufen nicht so pralle.

(3) „Politisch“ bleiben. Der Blog soll weder thematisch ausufern noch in einen Kulturblog übergehen. Auch zeigt sich an Bosch, dass mein Wissen über diese Themen begrenzt ist. Die Erarbeitung ist entsprechend aufwendig.

(4) Schlüsselstaaten. Über die hohe Platzierung von Indien muss nachgedacht werden. Kontinuierlicher, stark schwankender Zugriff, im Durchschnitt fünf pro Monat. Leicht überdurchschnittlich liegt auch der Eintrag zur Energiepolitik China. Beide Artikel werden nicht im Unterricht beworben.

6. Social-Media / Vernetzung

Der Blog hat eine soziale Vernetzung – die Grafiken werden auf Flickr (seit 18.10.2017) und auf Instagram (seit 11.07.2018) eingesetzt. Tumblr wurde auf Grund des Aufwandes aufgegeben.

Bisher schlägt sich die Verwendung der Social-Networks nicht in den (erfassbaren) Zugriffzahlen wieder. Laut WordPress-Statistik kamen über Flickr zwei Personen und über Instagram eine. Allerdings gibt es positive Effekte bei den Suchmaschinen! Das Ranking verbesserte sich signifikant bzw. fand bei BING erst dadurch statt. Die geringe Konversion überrascht bei Flickr, da die Grafiken durchschnittlich 50 Views haben.

Bisher konnte nur ein Gastautor gewonnen werden. Wobei keine Aktivitäten in diese Richtung unternommen wurden. Die Kooperation mit Christina Heybel war erfolgreich. Ihre Artikel wurden überdurchschnittlich geklickt und lockten einen neuen Abonnenten (seppo) an – der aber wieder absprang, weil er insgesamt das bloggen aufgab.

Weitere Gastautoren könnten eine höhere Kontinuität sicherstellen und für mehr Traffic sorgen.

Schlussfolgerungen

(1) Stabilisierung. Der Weg zu mehr Social-Media ist richtig. Allerdings muss hier auf den Aufwand geachtet werden. Es ist möglich hier unendlich Zeit zu investieren, mit kaum greifbaren Ergebnissen.

(2) Zielbestimmung. Etwas enttäuschend ist Instagram. Die Plattform ist nahezu unpolitisch. Zum Vergleich: Hashtag Katze hat ca. 4,6 Mio. Einträge; Hashtag Militärausgaben 16. Das erste Bild was ich bei Hashtag NATO liken wollte war vom Account von Erdogan persönlich. Hab es dann doch nicht gemacht. Bei dieser Plattform muss sehr genau überlegt werden, was hier das Ziel sein kann.


Kunstwerk des Eintrages

Heinrich Zille (1858-1929) – Geburtstag
Lizenz: http://www.zeno.org – Contumax GmbH & Co.KG

Heinrich Zille - Geburtstag

Heinrich Zille zeichnete den Alltag der städtischen bzw. berliner Unter- und (unteren) Mittelschicht vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1920er Jahre. Dabei stellte er alle Facetten des Lebens dar: Freizeit, Elend, prekäre Wohnbedingungen, Arbeit, Feste, Krankeiten, Ausflüge an den Strand und auch Sexleben. Mitglied der SPD mit großer politischer Nähe zur USPD und der KPD. Seine radikal realistische Darstellung des Alltags der Nicht-Bürgerlichen macht ihn bis heute zu einem Fremdkörper in der Mainstream-Kunstgeschichte. Letztlich lehnen ihn – und seine Erben – die meisten Etablierten ab. Nicht Marktfähig, nicht schön, zu realistisch…

Zille über sich selbst: „Was ich als Kind sah, mitfühlte, im Laufe der Jahre miterlebte und festzuhalten versuchte, sollte denen, die da unten abseits stehen und die eine Welt für sich bilden, die man immer bekämpft, aber nicht heilt, helfen.“

Gedanken zu Heinrich Zille von Adolf Behne
„… Der einzig völlig unakademische Zeichner dieser Zeit ist über den Künstler nicht zum Bürger geworden…“ „… für jede Einzelheit werden die eingehendsten Studien gemacht. Und doch ist für Zille diese Arbeit […] nicht Selbstzweck, sondern ein Mittel. Die Arbeit geht ihm vom Leben aus – nicht, um tot in einer Galerie zu enden, sondern um wieder Leben zu werden.“ … „Zille hat eine schärfste Tendenz: zur Wahrheit. Es sieht das Ganze, setzt nichts hinzu, verschweigt nichts.“

Quelle
Behme, Adolf: Heinrich Zille; in Tenzler, Wolfgang: Über die Schönheit häßlicher Bilder; Berlin: Buchverlag Der Morgen 1982; S. 482f.

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