Energiepolitik EU – China

Fassung: Mai 2012

Besprechung: Nötzold, Antje: Die Energiepolitik der EU und der VR China. Handlungsempfehlungen zur europäischen Versorgungssicherheit. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, 396 S.

Trotz spannenden Titels enttäuscht dieses auf einer Doktorarbeit aus dem Jahr 2010 basierende Buch.

Inhaltliche Schwerpunkte sind die energetische Situation, die politisch-wirtschaftlichen Ziele und die Hauptinstrumente der Europäischen Union sowie Chinas zur Sicherstellung der Energieversorgung. Nötzolds Argumentation basiert auf drei zentralen Annahmen:
Erstens beruhe die Energieversorgung auch in Zukunft primär auf knapper werdenden fossilen Energierohstoffen, die beide Akteure größtenteils importieren müssen.

Energiesicherheit bedeute damit zweitens vor allem Importsicherheit, die die EU und China durch einen Ausbau der eigenen Handelsbeziehungen zu erreichen suchen. Szenarien einer weitgehenden Energie-Autonomie basierend auf alternativen Energien werden nicht diskutiert.

Drittens stellt aus ihrer Sicht der privatisierte EU-Binnenmarkt für Energie, der auch wichtige Lieferländer einbeziehen sollte, eine durchweg positive Entwicklung dar. Schließlich leitet Frau Netzold aus den behaupteten Erfolgen des Marktes eine Bedrohung der europäischen Versorgungssicherheit durch China ab. Dessen Energiepolitik wirke „störend auf die Funktionsweise der marktwirtschaftlichen Ordnung“ (S. 313). Entsprechend besteht ihre zentrale Handlungsempfehlung darin, China an Institutionen des internationalen Energiemarktes „heranzuführen“ und diesen weltweit sowie in der EU zu stärken. Konkretere Schritte werden nicht dargestellt.

Trotz der enormen Fülle ausgewerteter Literatur verwendet die von der Konrad-Adenauer-Stiftung geförderte Autorin ausschließlich deutsch- und englischsprachige Quellen, bevorzugt aus dem Umfeld der EU. Dokumente von regierungsoffiziellen Stellen Chinas finden kaum Berücksichtigung. So stammen beispielsweise von ca. 230 aufgeführten offiziellen Dokumenten und Reden, nicht mal 10 von staatlichen Institutionen Chinas. Die differenzierten Auseinandersetzungen innerhalb Chinas um zukünftige Steuerungsinstrumente finden damit kaum Raum.

Aber auch kritische Positionen zum liberalisierten EU-Energie-Markt aus mehr staatsorientierten Gesellschaften wie Frankreich oder den stärker werdenden deutschen Stadtwerken kommen nicht vor. Da so fast alle Kritik ausgeblendet wird, ist die befürwortete Politik entsprechend alternativlos.

Meine Empfehlung: Nicht kaufen, sondern in einer Uni-Bibliothek die internetbasierten Quellen insbesondere der EU-Kommission auswerten bzw. das Buch als ersten(!) Einstieg in die Energiepolitik Chinas nutzen.

Die Annotation erschien zuerst in WeltTrends – Das außenpolitische Journal Nr. 84 „Ernährung garantiert“. Sie ist auch weniger pointiert als  PDF verfügbar.


Kunstwerk des Eintrages

Nicolas Léonard Sadi Carnot (1796 - 1832)
Nicolas Léonard Sadi Carnot (1796 – 1832) – Begründer der Thermodynamik

Nicolas Léonard Sadi Carnot (1796 – 1832) untersuchte als erster Wissenschaftler die theoretischen Grundlagen von Wärmemaschinen. Vor seinen Studien konnten diese nur auf Grund praktischer Versuche verbessert werden. Insbesondere der nach ihm benannte „Carnot-Kreisprozess“ ermöglichte die Messungen des Verhältnisses von Wärme und Arbeitsleistung in Dampfmaschinen. Auf dieser Grundlage bestimmte Carnot auch den theoretisch maximalen Wirkungsgrad bei der Umwandlug von Wärmeenergie in mechanische Energie – den Carnot-Faktor. Seine Arbeit verknüpft erstmals Mechanik und Wärmelehre. Entsprechend gilt Carnot als Begründer der Thermodynamik.

Bevor er mit 36 Jahren an Cholera starb veröffentliche Carnot nur eine einzige Schrift: „Réflexions sur la puissance motrice du feu et sur les machines propres à développer cette puissance“. Die deutsche Übersetzung von „Betrachtungen über die bewegende Kraft des Feuers und die zur Entwicklung dieser Kraft geeigneten Maschinen“ – erstellt von W. Oswald findet sich auf openlibrary.

Quelle

Mendozza, Eric: Sadi Carnot; Encyclopaedia Britannica 2017
Nicklisch, Hans (Hrsg.): Schlag Nach – Natur; Bibliografisches Institut VEB Leibzig 1952; S. 192.
Peer-Matthias, Gaede (Hrsg.): GEO Themenlexikon Band 6 Naturwissenschaft und Technik; Mannheim: Grunner + Jahr 2007; S. 129.
Wikipedia (Hrsg.): History of Energy; 2017.
Wikipedia (Hrsg.): Nicolas Léonard Sadi Carnot; 2017.

Künstler des Porträts

Louis-Léopold Boilly 1813. Originaldatei auf Wikipedia. Lizenz: gemeinfrei

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