World Drug Report 2013 – Entwicklung Drogen-(Markt)

Pünktlich zum „Weltdrogentag 2013“ (offiziell: International Day Against Drug Abuse and Illicit Trafficking) dem 26. Juni erschien der diesjährige World Drug Report. Dieser Gedeanktag führte die Generalversammlung der UN am 26.Dezember 1987 im Rahmen der Resolution 42/112 ein. Die Verknüpfung von Erinnerungstag inkl. eigener Homepage sowie jährlichem Motto – „Make health your ’new high‘ in life, not drugs“ – und der Herausgabe des Themenberichts besteht seit dem ersten Report von 1997. Herausgeber ist das United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC).

Das UNODC ging 1997 aus zwei anderen Organisationen hervor und beschäftigt sich mit allen Formen der internationalen Kriminalität. Schwerpunkte sind illegale Drogen, Geldwäsche und Terrorismus. Zentrale Aufgabe ist laut Selbstdarstellung die Unterstützung nationaler und internationale Rechtssysteme sowie die Stärkung von Sicherheitsorganen. Dafür führt die Organisation auf internationaler Ebene die Daten zur Entwicklung der Kriminalität zusammen und wertet sie aus.

Gliederung Bericht

Eingangs erfolgt eine Analyse der Marktentwicklung bei den klassischen illegalen Drogen – Cannabis, Opiate, Kokain und Amphetamine. In der abschließenden verkürzten Statistik (ausführlich im Internet) erfolgt eine detaillierte Auflistung, insbesondere über die Entwicklung des Konsums und die Menge beschlagnahmter Drogen. Dabei fällt auf, dass die Daten nur einer begrenzten Harmonisierung unterliegen und die Datenqualität außerhalb der westlichen OECD-Staaten deutlich abfällt.

Im zweiten Teil behandeln die Berichte ein Schwerpunktthema – dieses Jahr „neue psycho-aktive Substanzen“. Die UNODC versteht darunter bewusstseinsverändernde Stoffe die nicht vom Abkommen über Betäubungsmittel (1961) bzw. der Konvention über psychotrope Substanzen (1972) erfasst sind. Entsprechend entsteht eine große Gruppe sehr unterschiedlicher Substanzen über künstlich hergestellte „klassische“ Wirkstoffe (z.B. synthetisiertes Cannabis), legale Medikamente (z.B. Ketamin) bis hin zu Jahrhunderte-alter Drogen außerhalb der westlichen Welt (z.B. Khat).

Grenzen des Denkens

Die unkonkrete Definition führt mehr in die Irre als eine Handlungs- und Analyse-Grundlage zu liefern. Dahinter steht aber das Phänomen, dass neue“ Drogen insbesondere chemisch erzeugte die klassischen verdrängen. Die jetzigen Verfolgungsstrategien, ausgerichtet auf Bekämpfung des Drogenanbaus in Entwicklungsländern sowie die Kontrolle von Handelswegen und Grenzen, laufen zunehmend ins Leere. Große Teile des Berichts offenbaren eine strukturelle Hilflosigkeit – Art und Umfang des Konsums weitgehend unbekannt, Wirkmechanismen und Gesundheitsfolgen teilweise bis nicht bekannt, chemische Zusammensetzung auf Grund sehr schneller Veränderung kaum erfassbar … . Die Herausbildung eines Drogenmarktes des 21. Jahrhunderts entzieht sich den Denk- und Rezeptionsmustern einer Behörde die ihren geistigen Ursprung in der Shanghaier Opiumkonferenz von 1909 sieht. Wobei dies nicht nur ein Problem auf internationaler Ebene ist.

Problematische Geldgeber

Ein nicht unerheblicher Teil der Probleme resultiert aus der Struktur der UNODC. Obwohl das Büro ein offizieller Teil der UN ist, erfolgt die Finanzierung zu über 90 Prozent auf Grund von freiwilligen Spenden der Mitglieder. Von diesen Spenden fließen nur 3 Prozent in das allgemeine Budget. 97 Prozent werden gezielt für einzelne Programme bzw. Aktivitäten vergeben und können nur dafür verwendet werden. Entsprechend groß ist der nationale Einfluss auf die Organisation. Dies zeigt sich besonders ihrer programmatischen Ausrichtung.

0-Toleranz-Politik

Ganz im Gegensatz zu den Programmen anderer UN-Organisationen bsp. der WHO spielen in den Programmen der UNODC legale Drogen (Tabak, Alkohol, Medikamente …) keine Rolle. Die UN-Behörde fokussiert sich auf Kriminalität und damit auf die Instrumente der Sicherheitsapparate. Entsprechend vertritt sie im Kern eine 0-Toleranz-Politik. Ein Recht auf Rausch wird nicht mal thematisiert. Diese Haltung änderte sich auch durch die selbst verordnete Denkpause (2008-2010) nicht wirklich. Es gibt nun Studien mit der WHO, die eine Stärkung sozialer und gesundheitspolitischer Maßnahmen bei partieller Abschwächung der Kriminalisierung erwägen. Allerdings sind diese nicht über den Status von Diskussionspapieren hinausgekommen und finden keine Erwähnung in den offiziellen Leitberichten wie dem „World Drug Report“.

Teil der einseitig repressiven Haltung ist die weitgehende Ignorierung aller Programme zur Eindämmung der negative Folgen von Drogenmissbrauch jenseits von Kriminalisierung, Werbekampagnen oder Entzug. Ob geschützte Drogenräume, Verteilung kostenloses Spitzbesteck, die Abgabe reines Heroin/Kokain … alles indiskutabel. Gleichzeitig werden die sozialen-politische Ursachen der Drogennutzung als auch von Produktion und Vertrieb nur am Rande behandelt.

Legalisierung Cannabis USA

Ein interessantes Beispiel ist die seit einigen Jahren fortschreitende Legalisierung von Cannabis in einigen Bundesstaaten der USA. Diese Entwicklung findet zwar Erwähnung, aber es erfolgt keine Einordnung in einen größeren Kontext. Die Beschreibung endet mit einem Hinweis, dass Besitz, Anbau sowie Vertrieb nach US-Bundesgesetzen immer noch strafbar ist. In weiteren Text wird dann dezidiert auf eine mögliche Ausweitung des Drogenkonsums durch fallende Preise hingewiesen.

Bei aller Kritik verschafft diese jährlich aktualisierte und inzwischen Jahrzehnte zurückreichende Informationsquelle einen einmaligen Überblick über die internationale Entwicklung des Drogenmarktes. Zumal die Entwicklung zumindest bei den klassischen Drogen über den Zeitraum der letzten 100 Jahre aufbereitet wird. Gleichzeitig basieren die Berichte auf einer Vielzahl aktueller, primär internetbasierter Quellen der relevanten staatlichen Institutionen, Programme und Wissenschaftler. Der Drogen-Report ist ein erstklassiger Fundus für weitere wissenschaftliche Arbeiten.

Die gekürzte Besprechung erschien bei WeltTrends – Zeitschrift für internationale Politik,
Ausgabe 91: Thema Kriminelle Welt: Annotation World Drug Report

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