Ein Wochenende im Namen von Karl und Rosa

Am 15. Januar 1919 wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg von Anhängern der aufkommenden faschistischen Bewegung ermordet. Seitdem gedenken linke Strömungen ihrem Erbe in einer Vielzahl von Veranstaltungen. Als Hauptereignis hat sich die Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Berlin durchgesetzt. Ein kurzer geschichtlicher Abriss findet sich auf wikipedia.

Ebenfalls gewinnt seit 1996 die Rosa-Luxemburg-Konferenz der Tageszeitung junge Welt an Bedeutung. Diese findet traditionell am Sonnabend vor dem zentralen Gedenken statt. Eine ausführliche Dokumentation findet sich auf den Seiten des Veranstalters sowie einige Mitschnitte auf dem youtube-Kanal.

1. Das Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht verbindet strömungsübergreifend linke Bewegungen. An den unterschiedlichsten Veranstaltungen nehmen Anarchisten, kommunistische Organisationen, linke migrantische Organisationen, Gewerkschaften, Menschen im Umfeld der LINKEN und der Sozialdemokratie teil. Die lebendige Vielfalt ist auf der Konferenz zu spüren, als auch bei der Demonstration real zu erleben.

2. Das Gedenken zieht tausende von Menschen an. Die Polizei bezifferte allein die Teilnehmerzahl der Hauptdemonstration am Vormittag auf ca. 4.000 Personen. Deutlich mehr dürften individuell (und ungezählt) dem Verstorbenen ihren Respekt bezeugt haben.

Auf der Konferenz am Tag zuvor, ging die junge Welt von ca. 1.500 verkauften Karten aus. Es wurde geschätzt, dass mehr als ca. 20.000 die Konferenz im Livestream verfolgen. Angesichts der Kosten von über 130.000 € wird es trotzdem eine Herausforderung, die Veranstaltung mit einer schwarzen Null abzuschließen. Entsprechend deutlich, aber angenehm eingebettet, wurde die Forderung nach neuen Abo-Verträgen vorgetragen. Ingo Höhmann betonte: „Klassenkampf hat auch was mit Mathematik zu tun.“

3. Beide Ereignisse haben eine deutschlandweite Ausstrahlung. Auf beiden Veranstaltungen traf der Autor Menschen aus allen Bundesländern. Viele reisten in größeren Gruppen, oft unterstützt durch diverse linke Organisationen, an. Vor allem bei Jugendlichen wächst die Beliebtheit. Aus dieser Perspektive hat sich das Anliegen der DDR-Führung einen zentralen Gedenkort (konservativer Prägung) zu schaffen, als erfolgreich erwiesen. Ohne das Mahnmal würde es eine solche Konzentration an Demonstranten wohl nicht geben.

4. Trotz oder gerade wegen der politischen Ausstrahlung blenden die Mainstream-Medien das Gedenken inzwischen weitgehend aus. Lediglich linke Zeitungen wie neues deutschland und junge Welt oder die vom ostdeutschen Ehepaar Friedrich gekaufte Berliner Zeitung berichteten.

Die den letzten Jahren sendete noch die Tagesschau Informationen darüber. Jetzt verschweigen auch die Öffentlichen das Thema. Wahrscheinlich passen tausende Forderungen nach Frieden in der Ukraine und NATO-Austritt sowie ein Groß-Kongress mit dem Motto: Den Dritten Weltkrieg stoppen jetzt! nicht ins Bild, der von bellizistischer Seite geforderten Panzerlieferungen.

„Dieses Land befindet sich im Krieg.
Der Staatsapparat wird repressiver. […]
Wir positionieren uns gegen den Krieg der NATO. […]
Für dieses System mach ich keinen Finger krumm –
schon gar nicht am Abzug einer Waffe.“
Stefan Huth (Chefredakteur junge Welt)

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