Wohnungsmarkt – Regionale Entwicklung

Überangebot in den 2000er Jahren

Quantitativ betrachtet war noch im Jahr 2011 in den meisten Regionen ein Überschuss an Wohnungen vorhanden. Insbesondere außerhalb der Großstädte überstieg das Angebot tendenziell die Nachfrage. Das lag der Höhepunkt des Leerstandes bereits fünf Jahre zurück – 2006 mit 4,1 Prozent.

In Westdeutschland bestand insbesondere in den ländlichen Räumen ein Überangebot. Hingegen hatte sich in den meisten dichter besiedelten Räumen ein relatives Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage etabliert. Regional kam es aber bereits zu Unterdeckungen. Das betraf vor allem urbane Großräume wie Hamburg, Köln oder München, die Grenzregionen zu Belgien und den Niederlanden sowie Teile des Ruhrgebiets.

Ostdeutschland hingegen war 2011 von umfassenden Überhängen an Wohnraum geprägt. Vor allem in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt überstieg das Angebot die Nachfrage deutlich. Davon waren auch Großstädte wie Dresden oder Leipzig betroffen. Einzige Ausnahme war der Großraum Berlin. Hier gab es ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage.


Leider gibt das Verbändebündnis „Soziales Wohnen“ in seiner Studie nicht an, welche Werte zu der Einteilung führen. (Günther 2024) Wahrscheinlich wurde sich an der Statistik des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) orientiert. Deren Statistik zum Leerstand in Deutschland findet sich u.a. im Deutschlandatlas der Bundesregierung. (Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen 2020) Leider ist nur das Jahr 2018 veröffentlicht.

Mangel an Wohnraum

Seit 2011 hat sich der Immobilienmarkt deutlich verändert und regional erheblich ausdifferenziert. Zentrales Kennzeichen ist nun eine dauerhafte und flächendeckende Unterversorgung an Wohnraum.

Insbesondere in Westdeutschland sind fast alle Landkreise mit (starken) Defiziten im Angebot konfrontiert. Ausnahmen finden sich nur in den strukturschwachen Gebieten entlang der Grenze zu den ostdeutschen Bundesländern, insbesondere um Salzgitter und Göttingen, der bayerischen Grenze zu Tschechien, dem Saarland und der Südwestpfalz sowie in Teilen des Ruhrgebietes. Auch in Bremen scheint es noch gewisse Überhänge am Immobilienmarkt zu geben.

Beispielhaft für diese Entwicklung steht die Stadt Köln. (Statista 2022) In den 2000er Jahren lag die Leerstandsquote bei über zwei Prozent – fast im Bereich eines ausgeglichenen Immobilienmarktes. Seit 2009 kippt der Markt systematisch in Richtung einer Unterdeckung. Ab 2018 lag die Leerstandsquote bei 0,9 Prozent. Eine historisch niedriger Wert und deutliches Zeichen für einen eklatanten Mangel an Wohnraum.


In Ostdeutschland etablierte sich eine Zweiteilung des Immobilienmarktes. Fast alle größeren Städte und deren Umland sind durch ein massives Defizit an Wohnraum gekennzeichnet. Extrem ist es in Berlin und Umland. In der Hauptstadt und Potsdam liegen die Leerstandsquoten inzwischen bei 0,3 Prozent. RBB24 zitiert hier die empirica Regionaldatenbank.  Laut dieser standen Ende 2022 in Potsdam 300 und in Berlin 5.400 ´marktaktive` Wohnungen leer. (rbb24 2023) Gemessen am Bedarf lachhaft wenig.

Gleichzeitig besteht in den ländlichen Regionen ein Überangebot an Wohnraum. In vielen Landkreisen sowie Klein-Städten liegt die durchschnittliche Leerstandsquote deutlich über der 10-Prozent-Marke. So meldeten 2020 Lauchhammer im Landkreis Oberspreewald-Lausitz einen Leerstand von über 30 Prozent und Forst (Landkreis Spree-Neiße) 29 Prozent. (Sustr 2020)

Das beängstigende an diesen hohen Leerständen ist, dass seit Jahrzehnten jedes Jahr hunderte Wohnungen in Ostdeutschland abgerissen werden. Allein in Brandenburg betraf es von 1990 bis 2018 ca. 60.000 Wohnungen. (Fritsche 2019) Seitdem dürften mehrere 1.000 Wohnungen dazugekommen sein. Laut Auskunft der Bundesregierung förderte sie 2022 alleine in Brandenburg den Abriss von knapp unter 900 Wohnungen. Im gesamten Gebiet Ostdeutschlands waren es etwas weniger als 3.400 Wohnungen. (Leister 2023) Aber selbst diese anhaltend hohen Zahlen schaffen es nicht, den Leerstand dauerhaft zu verringern. Die Bevölkerung bricht in Teilen schneller weg, als Wohnungen abgerissen werden können. Alternativen gegen diese Spirale werden von der Bundesregierung nicht verfolgt. (Lasch 2023)

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Zur Diskussion der Leerstandsquote siehe „Wohnungsmarkt – Vom Überschuss zum Mangel„.

Literaturverzeichnis

Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (Hg.) (2020): Deutschlandatlas. Wohnungsleerstand.

Fritsche, Andreas (2019): Leerstand und Wohnungsnot. In: neues deutschland, 17.07.2019.

Günther, Matthias (2024): Bauen und Wohnen 2024 in Deutschland. Hg. v. Verbändebündnis soziales Wohnen. Pestel Institut gGmbH. Hannover. Online verfügbar unter .

Lasch, Hendrik (2023): Der Abriss im Osten soll weitergehen. Wohnungswirtschaft beklagt fehlende Mittel für Investitionen und »Ignoranz« beim Bund. In: neues deutschland, 18.04.2023.

Leister, Annika (2023): Bund fördert Wohnungsabrisse. „Das ist völlig unverständlich“. Hg. v. Ströer Digital Publishing GmbH. t-online. Köln.

rbb24 (Hg.) (2023): Geringe Leerstandsquote macht das Umziehen in Berlin und Potsdam schwer.

Statista (Hg.) (2022): Leerstandsquote von Wohnungen in Köln von 2001 bis 2021.

Sustr, Nicolas (2020): Boom und Niedergang gleichzeitig. In: neues deutschland, 15.07.2020.

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Bei Interesse können die statistischen Daten für die Grafiken per Mail zugesandt werden.

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